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Gesäugetumore

»Da ist ein Knubbel.« - Nicht selten werden tierische Patienten von ihren Besitzern mit genau diesen oder ähnlichen Worten in der Sprechstunde vorgestellt. Bei Hündinnen mittleren bis höheren Alters handelt es sich dann in den allermeisten Fällen um eine Umfangsvermehrung am Gesäuge. Der medizinische Begriff Mammatumor bezeichnet eine vom Milchdrüsengewebe ausgehende Umfangsvermehrung, und enthält noch keinerlei Aussage über Gut- oder Bösartigkeit.

Einflußfaktoren

Mammatumore sind die beim Hund am häufigsten auftretende Tumorart. Wirklich gesicherte Zahlen gibt es nicht, in der Literatur finden sich Angaben von 2-25% Risiko einer unkastrierten Hündin, im Laufe ihres Lebens an Gesäugetumoren zu erkranken. Gesichert sind jedoch einige andere Erkenntnisse: Ob eine Hündin im Laufe ihres Lebens Welpen gehabt hat, hat keinen Einfluß auf die Häufigkeit der Erkrankung. Dahingegen kann  eine Kastration noch vor der ersten Läufigkeit (Frühkastration) das Risiko von Gesäugetumoren im höheren Alter stark minimieren. Auch zwischen der ersten und der zweiten Läufigkeit hat der Eingriff noch eine deutliche prophylaktische Wirkung. Eine spätere Kastration hat diesen Effekt nicht mehr, auch wenn schon Tumore vorhanden sind, kann die Kastration eine Metastasierung (Streuung) oder eine weitere Bildung neuer Tumoren nicht verhindern. Noch lange sind nicht alle Faktoren, die die Entstehung von Mammatumoren beeinflussen erforscht, aber ein mittlerweile auch für den Hund erwiesener Risikofaktor ist Fettleibigkeit.

Alter

Gesäugetumoren sind in jungen Jahren sehr selten, ein leichter Anstieg des Vorkommens beginnt im Alter von vier Jahren, verdeutlicht sich ab 7 Jahre und ist am höchsten bei Hündinnen, die älter als 10 Jahre sind. Einige Rassen scheinen etwas häufiger betroffen als andere, aber generell treten Gesäugetumore durch die gesamte Hundepopulation auf. Nur etwa 1% aller Erkrankungsfälle betrifft Rüden.

Diagnose und Therapie

Man unterscheidet beim Hund je nach ihren Eigenschaften gut- und bösartige Mammatumoren. Sehr häufig sind aber auch Mischtumoren mit verschiedenen Anteilen bzw. sowohl gut- als auch bösartigen Eigenschaften. Zu letzteren gehören besonders ein rasches Wachstum, und ein infiltratives Wachstum (Einwachsen in umgebendes Gewebe). Bösartige Tumoren neigen auch zu einer Metastasierung (Streuung) in andere Organe, bei Mammatumoren betrifft dies hauptsächlich die regionalen Lymphknoten und die Lunge. Obwohl man anhand der ›von außen‹ feststellbaren Eigenschaften der Umfangsvermehrung (durch Abtasten und Anschauen) gewisse Vermutungen äußern kann, können diese Methoden, und selbst eine Biopsie (Gewebeprobeentnahme mit einer Nadel) keine absolut verlässliche Aussage über den Charakter eines Mammatumors treffen, und noch viel weniger über die zu erwartende Entwicklung. Zu Beginn lange harmlos und unveränderlich erscheinende Knoten können in aggressives Wachstum umschlagen.

Deshalb, und weil letztendlich auch gutartige Tumore irgendwann in ein Stadium kommen, in dem sie Beschwerden verursachen, ist die baldige chirurgische Entfernung, also die OP immer die Behandlung der ersten Wahl. Es gilt: je früher desto besser, um der Hündin die bestmöglichsten Überlebenschancen zu sichern. Der alte Ratschlag zu einem ›Abwarten‹ bis der Tumor mindestens kirschgroß oder größer sei, ist überholt – jede verdächtige Umfangsvermehrung im Gesäuge, die 5mm groß ist, sollte operativ entfernt werden. Dies ist im Grunde auch mehr als logisch: Welcher Frau, in deren Brust ein Knoten festgestellt wird, würde man zum ›Abwarten‹ raten?

Der Umfang des Eingriffes ist vom jeweiligen Fall abhängig. Eine alleinige Entfernung des Knotens ist nur gerechtfertigt, wenn es sich um eine kleine und vor allem eine einzige Umgangsvermehrung handelt. In vielen Fällen finden sich jedoch bei der gründlichen Untersuchung des Gesäuges mehrere Knoten, was dann die teilweise oder gänzliche Entfernung einer oder beider Gesäugeleisten einschließlich der Lymphknoten bedeutet. Radikal operiert wird auch dann, wenn man die Neubildung noch weiterer Tumore befürchtet. Eine Entfernung des gesamten Gesäuges benötigt im Allgemeinen mindestens zwei OP’s (im Abstand von wenigen Wochen).

Prognose (Aussicht auf den weiteren Verlauf)

Erst nach seiner operativen Entfernung ist es möglich, den Tumor genau einzuordnen, und zwar durch eine histologische Untersuchung, also eine Beurteilung des Gewebes unter dem Mikroskop. Ist er gutartig (50-60% der Fälle), ist die Prognose gut bis sehr gut, aber auch bei einem gewissen Anteil der bösartigen Tumoren ist eine vollständige Heilung ohne Rezidiv (erneutes Tumorwachstum) und Metastasierung möglich, wobei hier der frühzeitigen und möglichst radikalen OP absolut entscheidende Bedeutung zukommt.

Es ist angezeigt, vor der OP anhand eines Röntgenbildes der Lunge zu überprüfen, ob dort bereits sichtbare Metastasen vorhanden sind. Dies wäre dann aufgrund der sehr schlechten Prognose und der geringen zu erwartenden Überlebenszeit ein Grund, dem Patienten die Operation nicht mehr zuzumuten.

Nachsorge

Eine Chemo- oder Strahlentherapie hat beim Mammatumor des Hundes keine Bedeutung, weil sich damit keine entscheidende Verbesserung der Prognose verbindet. Zu empfehlen ist jedoch eine Nachbehandlung mit Präparaten aus den Naturheilverfahren (z.B. Komplexmittelhomöopathie). Studien haben gezeigt, dass diese sich positiv auf die Überlebenszeit auswirken und die Gefahr von Metastasen und Rezidiven senken können.

 

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